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Phasmiden, Gespenstschecken:
[Arten und Heimat]  [Fortpflanzung]  [Aufzucht]  [Krankheiten]  [Zeitigung der Eier]
Bisher wurden bereits ueber 3000 Phasmiden Arten beschrieben. Einige Arten duerften noch auf ihre Entdeckung warten. Eine Liste mit sehr vielen Arten (nach lat. Namen geordnet) und Haltungsbeschreibungen finden Sie hier.
Arten und Heimat:
Zur Familie der Phasmiden gehoeren die Gespenstheuschrecken (z.B. Extatosoma), Stabheuschrecken (Bacculum, Carausius,...) und die Wandelnden Blaetter (Phyllium). Die Phasmiden sind in tropischen und subtropischen Gebieten beheimatet (Sueden Nordamerikas, Mittel- und Suedamerika, Sueden Afrikas, Suedost-Asien, Australien) sowie im Mittelmeerraum. In ihrem Aussehen aehneln diese Insekten verdorrten Aesten (z.B. Extatosoma), Grashalmen (Stabheuschrecken) oder Blaettern (Wandelnde Blaetter, Phyllium). Diese Nachahmung wird Mimese genannt. Sie schuetzt die Insekten in der Natur vor Fressfeinden. Auserdem gibt es Stabheuschrecken, die mit ihrer bunten Erscheinung versuchen Feinde abzuschrecken. Sie signalisieren mit ihrer Faerbung, dass sie ungeniessbar sind. Wenn diese Arten beruehrt werden sondern sie eine uebelriechende Fluessigkeit aus ihren Druesen an der Brust ab. Da die Tarnung auffliegt, wenn sich die Phasmiden bewegen, sind die meisten Arten nachtaktiv. Als besondere Art der Tarnung moechte ich noch auf eine Beobachtung hinweisen: Wenn ich meine Wandelnden Blaetter (Phyllium celebicum) anblase, dann bewegen meine Tiere einige Sekunden ihren Hinterleib hin und her. Sie imitieren damit vermutlich sich im Wind bewegende Blaetter. Unter den Phasmiden gibt es jedoch auch einige Arten, die nicht nur auf ihre Tarnung vertrauen. Dazu gehoeren die bereits beschriebenen Arten, die Sekrete ausscheiden. Ausserdem tragen viele Arten Dornen auf ihrem Koerper (Dornenschrecken, kleine Dornen tragen aber auch z.B. Extatosoma tiaratum). Eine besonders wirksame und aktive Verteidung habe ich bei der Heteropteryx dilatata (Gruene Riesengespenstheuschrecke) erfahren (muessen). Als ich ein relativ junges Weibchen zum fotografieren aus dem Terrarium nahm schlug es mit den Hinterbeinen so stark zu, dass meine Hand etwas blutete. Sie heben zur Verteidigung ihre stacheligen Hinterbeine in die Luft, mit denen sie spaeter zuschlagen und warnen zusaetzlich durch Geraeusche, die sie durch das uebereinander-streichen (stridulieren) ihrer Fluegel erzeugen. 
Fortpflanzung:
Erwachsene Weibchen beginnen grossteils 2 - 6 Wochen nach ihrer letzten Haeutung (Imago-Haeutung) mit der Eiablage. Die Eier werden von manchen Arten wahllos weggeschleudert (Extatosoma tiaratum, Phyllium) und von anderen Arten in den Boden abgelegt (Aretaon asperrimus,...). Wie die Eiablage erfolgen wird kann man am Hinterleibsende sehen. In den Boden ablegende Pasmiden haben einen spitz zulaufenden Hinterleib. Es gibt Arten, die sich parthenogenetisch (ohne Maennchen) fortpflanzen koennen, und andere Arten bei denen fuer eine Zucht ueber mehrere Generationen Maennchen erforderlich sind. Bei diesen Arten nimmt die Zahl der geschluepften Tiere nach wenigen, parthenogenetisch vermehrten, Generationen stark ab und kann letztendlich zum Zusammenbruch der kompletten Zucht fuehren. Bei meinen Phyllium celebicum treten bei geschlechtlicher Vermehrung Maennchen und Weibchen grob im Verhaeltnis 1 : 1 auf. Bei parthenogenetischer Vermehrung treten fast nur Weibchen auf (wobei die Schlupfrate bei mir dann niedriger war), und besonders bei hoeheren Temperaturen gelegentlich in kleiner Stueckzahl Maennchen.
Aufzucht:
Nach der Eiablage werden die Eier am besten aus dem Terrarium gelesen. Sie werden dann in belueftete Behaelter mit etwas erhoehter Luftfeuchtigkeit gelegt. Die Temperatur darf zwischen 20 - 30 C variieren. Bei hohen Temperaturen ist die Entwicklungsdauer der Eier kuerzer. In den Boden abgelegte Eier koennen notfalls auch im Terrarium belassen werden, oder in Torf gelegt werden, der stets leicht feucht gehalten werden muss. Zur Aufzucht werden die Phasmiden in ein Terrarium gebracht, in welchem die artspezifisch ideale Temperatur und Luftfeuchtigkeit, genuegend Platz und Futter zur Verfuegung stehen. Als Temperatur hat sich fuer die, aus tropischem und subtropischem Gebieten stammenden Arten eine Tagestemperatur von 22 - 30 C, und eine Nachttemperatur von 20 - 25 C bewaehrt. Einige Arten lassen sich jedoch auch ohne Schwierigkeiten bei normaler Zimmertemperatur halten und zuechten (Carausius, Bacculum, ...). Was die Luftfeuchtigkeit angeht haben die Arten unterschiedliche Ansprueche. Die Luftfeuchtigkeit laesst sich ueber die Groesse der Belueftungsflaeche, die Haeufigkeit des Spruehens und die Feuchtigkeit der Terrarienerde regeln. Hier moechte ich eine generelle Leitregel geben:
a) Meist benoetigen junge Larven zur Entwicklung, Haeutung eine hoehere Luftfeuchtigkeit als die ausgewachsenen Phasmiden.
b) Alle Heteropteryginae and Eurycanthinae benoetigen eine hohe Luftfeuchtigkeit.
c) Die Arten aus den Regenwaeldern (Borneo, Peru, Neu Guiena, ...) benoetigen eine mittlere - hohe Luftfeuchtigkeit (Lonchodes, Orxines, ...).
d) Eine niedrige Luftfeuchtigkeit ist wichtig fuer alle europaeischen Arten (Bacillus, Clonopsis, Leptynia, ...).
e) Bei den Arten Baculum, Carausius, Ramulus hat sich gezeigt, dass relativ trockene, gut belueftete Terrarien bevorzugt werden.
Nun zum Platzbedarf: Phasmiden sowie alle Insekten wachsen durch Haeutungen. Sie schluepfen aus ihrer Haut (Cuticula) und pumpen ihren Darm mit Luft auf. Dann trocknet ihre neue Haut aus. In dieser Zeit sind die Phasmiden anfaellig gegen Stoerungen. Es kann leichter zu Haeutungsfehlern und "Verkrueppelungen" kommen, wenn andere Tiere umherlaufen, oder sie anfressen. Bei Gespenstheuschrecken und Stabheuschrecken besteht keine grosse Gefahr, dass Tiere angefressen werden. Bei Wandelnden Blaettern darf man jedoch nur Tiere gleicher Groesse in einem Terrarium halten, da sonst die kleineren Tiere (v.a. bei schlechtem Futterangebot) auf ihre Artgenossen sitzen und diese als neues Futter ansehen. Vor allem die erwachsenen Tiere scheinen es nicht zu bemerken, wenn von jungen Larven langsam ihre Fluegel aufgefressen werden. Vielleicht haben sie aber auch keine Moeglichkeit diese abzuschuetteln. Aber auch gleich grosse Tiere fressen sich gelegentlich gegenseitig an, wenn sie sehr eng gehalten werden. Bei Wandelnden Blaettern schlage ich folgende Besatzdichte vor: In einem Terrarium von 30 x 30 x 40 cm mit ausreichend Futterblaettern: maximal 40 Larven von 1 - 2 cm, max. 30 Larven von 3 - 4 cm,  max. 20 Larven von 5 - 6 cm, max. 10 erwachsene Wandelnde Blaetter. Bereits im ersten Jahr, in dem ich mit der Zucht von Wandelnden Blaettern anfing hatte ich ca. 200 Nachzuchttiere. Dort zeigte sich, dass sich zu hohe Besatzdichten nachteilig auf die Entwicklung auswirken. Als Futter nimmt praktisch jede Art Brombeerblaetter an. Die Brombeerblaetter findet man das ganze Jahr ueber an Waldraendern. Die Blaetter waescht man vor dem verfuettern mit Wasser ab, um Dreck und eventuell anhaftende Gifte, ... zu entfernen. Dann werden sie in einer Vase in das Terrarium gestellt und erneuert, wenn sie beginnen zu verwelken. Viele Arten fressen auch Farne, Eichenblaetter, Rose, Guave, Rhododendron, ... .
 
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